In 51° 31′ N, 0° 7′ W ∙ London, going places

LONDON CALLING!

Du zitterst. An Deinem Handgelenk bewegt sich sichtbar Deine Pulsader. In Deiner Magengegend ist ein ganz flaues Gefühl, Dein Mund ist trocken und Dein Gemütszustand flackert von high zu low zu high binnen Sekunden.

Und Dein Herz, Dein Herz schlägt so schnell, es droht Dir Deine Rippen zu brechen und aus Deiner Brust zu springen.

So muss sich Verliebt-Sein anfühlen. Ich glaube, ich war bisher noch nie wirklich verliebt. Bis jetzt.

Es ist ein schwüler Montag im Juni, ich sitze in der Uni bei einem Vortrag zur Planung unserer Abschluss Ausstellung. Die Luft ist stickig, es schwebt ein Stimmenwirrwarr durch den Raum und mein Finger gleitet über das Trackpad von meinem MacBook. „Nur mal kurz die E-Mails checken“, denke ich mir. Ich erwarte Newsletter, Rechnungen, vielleicht eine weitergeleitete Facebook Nachricht. Generell checke ich meine Mails unter anderen Menschen eh immer nur, um mich besonders wichtig zu fühlen.

Leise ertönt das wohlbekannte „Bing“ des Apple Mail Posteingangs und mein Blick schwebt auf den Absender. Es durchfährt mich ein Blitz, ich spüre ihn in jeder Faser meines Körpers, und mir wird übel, so sehr übel. Ich halte kurz inne, atme tief durch, ehe ich auf die eben empfangene Mail klicke.

„Three months sounds great!“

Mir steigen Tränen in die Augen, ich beginne zu zittern. Meine Freundin schaut mich ernst an, fragt, was denn los wäre, ob es mir gut gehe. Ich schüttele nur den Kopf, stammele „London“ und kämpfe damit, Luft zu bekommen. Ihre Augen werden groß, ich nicke zur Bestätigung, versuche mich zu sammeln.

Und in den nächsten 0,05 Sekunden fängst Du an zu realisieren, dass Dein größter Traum in Erfüllung geht.

Es braucht ein wenig, bis ich mich wieder beruhigt habe. Immer wieder lese ich die wenigen Zeilen, frage mich, ob ich das ganze gerade träume, ob ich nicht eigentlich daheim in meinem Bett liege und mir mein Unterbewusstsein einen Streich spielt. Aber diese Mail ist gerade so real wie die Personen um mich herum, wie meine Lehrer vorne am Beamer, wie die Gänsehaut, die sich über meinen kompletten Körper zieht.

 

 

 

Heute sitze ich hier auf der Couch daheim, ein wenig aufgeregt. „Bermondsey scheint eine coole Gegend zu sein,“ denke ich mir. „Gerade ein mal 10 Minuten zu Fuß zur Tower Bridge. Markt, Pubs, nah an der Themse. Das klingt ideal.“ Der Flug ist gebucht, eine WG ist gefunden, noch kein Koffer gepackt. Aber das macht nichts, noch habe ich eine Woche Zeit, und der Dresscode in meiner Traumagentur ist ohnehin eher casual, sodass ich mir darüber nicht allzu viele Gedanken machen muss. Ich glaube, so ganz realisiert habe ich es immernoch nicht, dass ich bald umziehen werde. Umziehen in meine Lieblingsstadt. Wo ich für drei Monate wohnen werde, um in meiner Traumagentur zu arbeiten. Spätsommer in London. Herbst in London. Weihnachten in London. Bitte, was? Angst vor Heimweh habe ich nicht, so viele wunderbare Personen aus der Heimat wollen mich besuchen kommen. Und, was sind schon drei Monate?

Needless to say: der Rückflug ist noch nicht gebucht.

Ja, ich glaube, ich bin verliebt. 

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